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Zwei oder drei Paar Hosen, die alten eingelaufenen oder die neu gekauften Wanderschuhe, den kleinen leichten oder den grösseren geräumiger Rucksack?

Nepal war nicht eines meiner favorisierten Reiseländer, zumal das Meer fehlte. Doch die Neugierde, das Trekking und auch wollte ich mir ein eigenes Bild über das Projekt "Solar Nepal" machen, welches mein Freund ins Leben gerufen hat.

So nun stehe ich vor einen Stapel Kleider und bin mir schon nicht mehr so ganz sicher ob ich es schaffe. Bekomme ich Mühe in der Höhe, mag ich jeden Tag laufen, verträgt mein Magen das Essen…

Mein Freund und ich reisten nicht alleine in das Land der hohen Berge. Mit uns reiste mein Onkel Roli, welcher schon lange nicht mehr in ein Flugzeug gestiegen ist, Brigitte und Sonja, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gute kannte.

Im Zug war mir aber schnell klar, dass sich da eine gute Reisegruppe zusammen gewürfelt hatte und wir sicher eine Menge Spass haben werden.

EINDRÜCKE
Am Flughafen in Kathmandu erwartete uns bereits Lok, der Reiseorganisator und guter Freund von Vitus. Mit einem für nepalische Verhältnisse Luxusbus fuhren wir ins Hotel.
Der Bus zwängte sich durch die hoffnungslos überfüllten Strassen, begleitet von einem Hupkonzert, vorbei an Ziegen, die neben der Strasse geschlachtet werden, Metzgerläden mit Fleisch schwarz vor Fliegen, vorbei an Gemüseständen, in der Höhe der Auspuffen, vorbei an Kinder die umarmend zur Schule gingen, vorbei an Hunden die im Abfall wühlten.
Meine Augen und mein Mund standen weit offen. Fasziniert von dem bunten Treiben auf den Strassen aber zugleich ein bisschen schockiert. Ich erklärte mich gleich zur Vegetarierin während meines Aufenthaltes in Nepal.

In Kathmandu blieben wir drei Tage. Unter Lebensgefahr überquerten wir die Strassen, um zum Thamel (beliebtestes Touristencenter) zu gelangen. Tagsüber Händler, die Ihre Ware anpriesen und immer wieder hörte man „Petla“ „Petla, Autos, Gestank, Mühl. Und pünktlich, wenn die Lichter gelöscht wurden, startete das Bellkonzert der Hunde.

TREKKING
Alle waren froh, als wir zu unserem ersten Trekking Tag aufbrachen. Auf dem Weg mit dem Bus zu unserem Trekking–Ausgangspunkt, nahmen wir unsere drei Träger mit. Der jüngste Träger, wollte sich partout nicht neben uns Frauen setzen, da musste sich der 70 Jahre alte Mann opfern. 

In Besisahar verbrachten wir unsere erste Nacht. Die Betten wie Tische, das kann ja noch heiter werden. Ab sofort galt das Fortbewegungsmittel unsere Beine. Die Träger mit samt Gepäck (ca. 40 kg) in Flip Flops und wir mit unserem leichten Tagesrucksack und guten Wanderschuhen, machten uns auf den langen Weg.

An einen angenehmen Wander-Rhythmus war anfangs des Trekkings nicht zu denken. Immer wieder wurden wir von kleinen Süssigkeitsbrigaden aufgehalten. Gerne verteilten wir unsere Tagesrationen den leuchtenden Kinderaugen.

Wie gepflegt die Menschen dort sind, obwohl sie in erbärmlichen Häusern leben und sich meistens an einem Dorfbrunnen waschen müssen. Die schönen farbigen Saris, grün, blau, rot und die schönen langen Haare der Mädchen und Frauen. Das alles ohne teures Shampoo, Pflegespülung und Waschmaschine.


SCHWEIZER SCHOGGI
An unserem ersten Trekking Tag war uns Petrus nicht wohl gesinnt. Es goss plötzlich wie aus Kübeln und wir brachten uns unter ein Strohdach vor einem kleinen Kiosk in Sicherheit. Die Besitzerin servierte uns heissen "dudh chiyaa" (Milchetee). Irgendwann liess der Regen nach und wir konnten weiterziehen. Etwas durchnässt erreichten wir unsere Lodge. Die Zimmer waren mit dünnen Holzwänden getrennt. Die Ritze liessen eine freie Sicht ins Nebenzimmer zu. In dieser Nacht hatten Brigitte und Sonja Nachtbesuch. Knabber, knabber...auch Nepal Mäuse lieben Schweizer Schoggi, zum Glück hatten sie uns noch was übrig gelassen.

OPEN AIR TOILETTE
Der 2. Tag brach an und wir wanderten weiter vorbei an tosenden Wasserfällen und plantschenden Kinder im klaren Bergwasser, die ihre Wassersprünge zum Besten gaben. Mit einem freundlichen "namaste" hiess uns die Besitzerin in ihrer Lodge willkommen. Auch hier hatten wir Doppelzimmer Komfort, nur das WC/Dusche waren open air. Kaltes Wasser, ist dass duschen nach einer sechs stündigen Wanderung dann eher eine Belohnung oder eine Strafe? Alles ist eine Gewöhnungssache und man wird sehr schnell bescheiden. 
In dieser Nacht schlägte Monte Zuma's Rache zu und das bei meinem Onkel Roli. Oje, der Arme verbrachte die ganze Nacht über auf der Toilette und sah am nächsten Tag ziemlich mitgenommen aus. So legten wir eine Zusatzübernachtung ein. Die Lodgebesitzerin kümmerte sich rührend um unseren Patienten, pflegte ihn mit nepalischen Wundermittelchen.
Wir genossen unseren wanderfreien Tag. Beobachteten die vorbei ziehende Mullas - Karawanen, Träger, die alles Mögliche transportierten von gestapelten Hühnerkäfige, Schweinen, Stroh bis hin zu Rohren und Kabeln. Wahnsinn, was die alles herumschleppten und das immer in den gemütlichen Flip Flops. Ihnen bleibt auch nichts anders übrig, für die Versorgung der abgelegenen Dörfer wird nicht einfach einen Helikopter gechartert, sondern alles von Menschen- oder Mullaskraft transportiert.

Am nächsten Tag war Roli wieder einigermassen auf den Beinen und es ging weiter. Die Akklimatisation nahm ihren Lauf. Und wir stiegen von Tag zu Tag höher und höher, die Nudelsuppen riechten immer mehr und mehr nach Knoblauch (sei gut für die Höhe). Auf dem Weg begegneten wir immer wieder denselben Trekkinggruppen, die das gleiche Ziel vor Augen hatten wie wir, den Thorong la Pass 5‘416 m. ü M.

ZAUBER
Der Zauber Nepals hat mich in seinen Bann gezogen. Die freundlichen Gesichter, die hoch in den Himmel ragenden Berge, die Art zu leben mit Wenig und doch so glücklich zu sein. Keine Hektik, keine Uhren…Stille, einfach nur leben.

In Manang hatten wir für unsere Akklimatisation zwei Tage eingelegt. An einem Tag war ein Besuch beim 100 Rupien Mönch angesagt. Schwitzend und schnaufend erreichten wir die Höhle des Mönchs, die weit über dem Dorf Manang ragte. Eine beindruckende Aussicht stand uns zu Füssen. Mit einem Nepali Tee wurden wir begrüsst, gesegnet, einer Schnurr um den Hals und mit 100 Rupien weniger in der Tasche, ging es wieder ins Tal herunter. So nun hatten wir uns einen Cappuccino und ein feines Gebäck verdient. Ja richtig gehört…in Manang gibt es German’s Backery mit riesen Hefeschnecken. Keine Ahnung wie lange die bereits auf hungrige Trekkingbäuche warteten aber es schmeckte und die nächtlichen Toiletten Gänge blieben aus.

THORONG LA PASS
Der Tag an dem wir die 5‘416 m. ü M erreichen rückte immer näher. Bei Schneefall und leichtem Kopfweh (einige von uns mit stäkerem Kopfweh) erreichten wir das High Camp. Als ich so hockend auf der Toilette sass und sich Schneeflocken zwischen den Holzritzen in das stille Örtchen verirrten, dachte ich mir …was mache ich eigentlich hier: zu Hause eine warme Dusche, ein weiches Bett und eine anständige Toilettenschüssel... so lernte man doch wieder das zu schätzen, was man hat.



Am nächsten Tag brachen wir früh auf. Die Sonne kitzelte bereits die 7000er 8000er um uns herum. Eine grandiose Stimmung. Nach einigen Stunden hatten wir es geschafft, wir standen alle auf der Thorong la Passhöhe 5‘416 m. ü M. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl erfasste mich, obwohl ich mir die ganze Zeit fest das Sprichwort vor Augen führte „reise nicht um anzukommen, sondern um unterwegs zu sein.“ War ich doch froh angekommen zu sein.

Es gäbe noch viel zu erzählen von unserem Trekking und über Nepal, zumal der Rückweg auch noch einige Highlights bot. Wie wir z.B. wie eine Stäflingskarawane in einem schlechten Westernfilm, uns durch das Tal der stürmischen Winde kämpften, ein nepalesisches Thermalbad genossen, wie einfallsreich Nepalesen sein können, wenn Stassen weggeschwemmt worden sind und wie viele Leute in einem kleinen Bus Platz finden.
Am Besten geht ihr hin und schaut es euch selber an.


NASHORN
Doch etwas möchte ich euch nicht vorenthalten. Nach unserem 17 Tägigen Trekking fuhren wir in den Sünden Nepals. In den Nationalpark Chitwan. Tropische Hitze und ein gediegenes Hotel erwartete uns. Doch von Ausspannen war keine Rede, wir machten uns sogleich auf die Pirsch.
Mit einem schmalen Kanu, welches nur knapp über das Wasser ragte, vorbei an den sonnenhungrigen Krokodilen (zum Glück nur sonnenhungrig), überquerten wir den Fluss. Zu Fuss kämpften wir uns durch das Elefantengras. Ich sah bereits hinter jedem Busch eine Gefahr. Ein hungriger Tiger, eine giftige Kobra oder….Ein komischer Duft stieg mir in die Nase, der Führer bemerkte es auch. Und da stand es plötzlich, nur gerade 30 Meter von uns entfernt, ein Nashorn. Der Führer winkte zum Rückzug und wir sprangen, mein Herz pochte laut.
Das wäre es doch noch gewesen, da schleppte man sich 17 Tage durch die Bergwelt Nepals um dann von einem Nashorn über den Haufen gerannt zu werden. Da bevorzugte ich doch lieber den Ritt auf dem Elefanten, von dem ich wunderbar und in sicherer Höhe die Nashörner beim Baden beobachten konnte.


Der Abschiedstag kam irgendwie schnell, er fiel uns allen schwer. Mit einem Koffer voller einmaligen Eindrücken, Erlebnissen stiegen wir in den Flieger. Die Himalayakette zeigte sich uns noch von ihrer imposantesten Seite, als ob sie uns zum Abschied winken wollte…